Anlage
und Verwirklichung im Horoskop
Das
Horoskop eines jeden Menschen stellt sozusagen den Bauplan seines
Lebens dar. Es zeigt an, an welchen Themen man wachsen soll, welche
Schwierigkeiten einem begegnen werden und mit welchen Gaben man
gesegnet ist, um diese Schwierigkeiten zu bewältigen. In
der ersten Lebenshälfte lebt man seine Anlage eher unbewusst.
Später dann, angesichts von Endlichkeit, zur Zeit der Opposition
des Transituranus zum Geburtsuranus, beginnen viele Menschen sich
zu fragen, ob sie wirklich alle Gaben, die sie haben, schon ausleben.
Um
diese ganz besonderen Gaben geht es. In jedem von uns gibt es
eine innere Stimme, die uns zur Ent-Wicklung auffordert. Wo und
wie wir uns ent-wickeln sollen, ist ganz individuell. Da gibt
es Menschen, die sollen in diesem Leben nur sie selbst sein, sich
selbst zu ihrem Zentrum machen. Andere wieder haben die Aufgabe,
ihre Kraft in der Öffentlichkeit zu zeigen oder wachstumsfördernd
für andere zu sein. Der Gaben gibt es unendlich viele, und
doch trifft man immer wieder auf Menschen, die sich ihren Gaben
verweigern, die festhalten, die sich so sehr verbarrikardieren,
dass sie ihre eigenen Stimme nicht mehr hören.
'WOLLE
die Wandlung', sagt Rilke in seinem XII.
Sonett an Orpheus.
'O
sei für die Flamme begeistert,
drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlungen prunkt;
Jene
Verwandlungen sind es, die wir erfahren dürfen, wenn wir
denn dazu bereit sind.
In
der Astrologie unterscheiden wir Kronos und Chairos. Kronos ist
die Zeit in ihrer Messbarkeit, und Chairos ist der günstige
Zeitpunkt.
Günstige
Zeiten für Wandlung werden im Horoskop durch Transite angezeigt,
das heißt durch jene Phasen, in denen ein Planet im Horoskop
von anderen Planeten zum heutigen Zeitpunkt berührt wird.
Wenn z.B. unsere Sonne von Uranus berührt wird, drängt
etwas in uns nach radikaler Veränderung, nach Revolution
in unserem Leben. Berührt Saturn unsere Sonne, ist eine Zeit
der inneren Einkehr, der Abgeschiedenheit und vielleicht der Askese
angezeigt. Dies ist vielleicht eine Zeit der inneren Großreinemachens,
in der Altes, nicht mehr Nützliches über Bord geworfen
werden kann.
Jeder
Transit fordert uns zur Wandlung auf, fordert uns auf, uns neu
zu betrachten und das zu leben, was in uns schlummert (unsere
Gaben). Ergreift man diese Gelegenheit nicht, so kann es sein,
dass sie einfach vergeht. Es kann aber auch sein, dass die Aufforderung
so deutlich gewesen ist und unsere Weigerung zum Wandel so heftig,
dass unser Körper uns anzeigt, wie sehr wir uns wandeln sollen.
Schön
ist in diesem Zusammenhang auch das Bild von Jona im Walfischbauch.
Manchmal müssen wir eine Zeit im Dunkeln verbringen, bevor
wir bereit sind, und der Wal uns wieder ins Leben spuckt.
Und
dann ist es vielleicht so, wie Klaus Hoffmann in seinem Lied ''Der
Diamant' singt:
Und
was ich in der Asche fand,
das
war ein roher Diamant
ein
Diamant so hell und klar
ein
Diamant so rauh und wahr
Viel
Spaß auf der Schatzsuche!
Das
obige Zitat findet man in abgewandelter Form im Roman von Gilbert
Sinoues
'Die Straße nach Isfahan'. Sinoue schildert hier das
Leben des berühmten Arztes und Philosophen Avicenna (980
bis 1037 n. Chr.)