Emotionale
Popups
Haben
Sie schon mal beobachtet, was passiert, wenn man Popcorn selber
macht und dabei den Deckel anhebt? Jetzt stellen Sie sich mal
zwei Töpfe mit Popcorn vor und bei beiden wird der Deckel
angehoben. Haben Sie das Bild? Alles poppt hoch bis zur Decke
und das aus zwei Töpfen gleichzeitig, und was übrig
bleibt, ist großes Durcheinander.
Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wieso ich hier über Popcorn
schreibe. Weil dieses Bild genau das widerspiegelt, was passiert,
wenn wir ein emotionales Popup haben. Anstatt der beiden Töpfe
dürfen Sie sich jetzt beliebige Personen vorstellen: Sie
und Ihr Partner, Sie und Ihr Kind, Sie und Ihr Arbeitskollege,
Sie und Ihre Mutter oder oder .... In der Auseinandersetzung werden
die Deckel abgenommen und alte Muster, meist Kindheitsmuster beginnen,
verbal den Raum zu füllen. Hören Sie mal genau hin:
da ist einer, der sich ereifert, überzeugen, gewinnen, verletzen
will. Und der andere steht ihm in nichts nach. Am Ende sind beide
total erschöpft und betrachten die Scherben, die vor oder
zwischen ihnen liegen.
Diese Art von emotionalen Popups hängen in erster Linie mit
der Aktivierung von alten Denk- Verbindungen (= neuronalen Netzen)
im Gehirn zusammen. Filme, wie The
Bleep habe schön gezeigt, was im Gehirn passiert, wenn
so ein altes Netz durch Gedanken chemisch in Gang gesetzt wird.
Und das Verrückte ist: obwohl wir diese Netze schon so oft
aktiviert haben, haben wir immer noch nicht verstanden, dass die
damit verbundenen Reaktionen uns kein bisschen weiter bringen.
Einstein spricht man eine Äußerung zu, die sinngemäß
folgendes besagt:
Was ist Wahnsinn? Wahnsinn ist es, jeden Tag das gleiche zu
tun und trotzdem ein anderes Ergebnis zu erwarten.
Genau das tun wir aber. Wir reagieren so, wie wir immer reagiert
haben und die Ergebnisse sind natürlich auch wie immer.
Tritt man jetzt mal einen Schritt beiseite, dann sieht man, dass
hier innere Kräfte am Werk sind, die ums Überleben kämpfen.
In diesem Zusammenhang spricht man dann gerne von Ego. Aber was
ist das Ego anderes, als das Ergebnis von alten Glaubenssätzen,
auf die wir unser Leben aufgebaut haben. Dieses Ego weiß,
was gut und falsch ist, es hat Angst, irgendjemand könnte
es angreifen. Da greift es schon lieber selber an. Es hat sich
seine Welt zurecht gebastelt, kennt alle Arten von Meinungen,
lässt aber nur seine gelten, und es verwickelt uns in eine
Scheinwelt, die wir für real halten. Die Inder würden
sie Maya nennen, aber was nützt uns das, wenn wir doch mittendrin
sind?
Da kann man nur beiseite treten, heraustreten aus diesem Wahnsinn,
still werden und sich fragen: Was machst du hier eigentlich?
In diesen leeren Raum kann dann die leise Stimme der
Wahrheit eintreten, die allen Schein entlarvt.
Im Zen-Tarot
(das ich sehr empfehle) gibt es eine Karte, die den Titel trägt:
Jenseits der Illusionen. Dort heißt es:
"Wenn wir uns auf Äußerlichkeiten konzentrieren,
verlieren wir uns in Werturteilen: das ist gut, jenes schlecht;
ich will das, jenes aber nicht. Diese Urteile halten uns in
der Illusion, der Schläfrigkeit, den alten Gewohnheiten
und Verhaltensmustern gefangen. Lassen Sie Ihren rechthaberischen
Intellekt los, und gehen Sie nach innen. Dort können Sie
sich in Ihrer tiefsten Wahrheit entspannen, dort ist der Unterschied
zwischen Traum und Wirklichkeit bereits bekannt."
Wenn wir in einer Situation sind, in der scheinbar nur der andere
mit einem emotionalen Popup reagiert, dürfen wir uns daran
erinnern, dass seine Reaktion ein 'Geschenk' an uns ist.
Sie bringt das in die Sichtbarkeit, was wir bei uns selbst nicht
sehen können, nicht wahrhaben wollen, ablehnen. Vielleicht
sagen Sie jetzt: Auf gar keinen Fall, so, wie der andere, bin
ich nicht. Aber dann sind Sie schon auf Ihre eigenen Muster hereingefallen,
die besagen: ich bin gut und der andere unmöglich.
Schauen Sie also in der nächsten Auseinandersetzung einmal
ganz genau hin. Beobachten Sie, was da eigentlich passiert zwischen
Ihnen und dem anderen. Versuchen Sie es aus einem neuen Blickwinkel
zu betrachten, und treffen Sie dann eine neue Entscheidung, wie
Sie sich Auseinandersetzungen in Zukunft wünschen.
Heather
Macauley spricht in diesem Zusammenhang von Wehrlosigkeit. Mitten
im größten Popup dürfen Sie sich fragen:
Was
würde die Liebe jetzt tun?
Vielleicht ist es in dem Moment gut, den gemeinsamen Raum für
eine Weile zu verlassen, die eigene Mitte wieder zu finden und
dann mit den Augen der Wertschätzung dem anderen neu zu begegnen.
Manchmal
gibt es Popups, die nicht an einen anderen Menschen direkt gebunden
sind, sondern z.B. durch Todestage, Erinnerungen o.ä. aktiviert
werden. Auch hier hilft ein Beiseitetreten, ein Beobachten, ein
Annehmen, Nochmal-Fühlen und dann vielleicht die bewusste
Entscheidung für einen anderen Gedanken.
Ganz
besonders wichtig ist beim Auftauchen von allen Gefühlen
die Handbewegung zu mir hin. In der Regel wollen
wir bestimmte Dinge nicht fühlen, wollen sie nicht oder anders
haben, aber jedes Gefühl möchte gefühlt
werden und wartet manchmal schon Jahrzehnte darauf. Also vergessen
Sie nicht, im größten 'Popup' die Handwegung zu machen
und Ja zu sagen, was sich da zeigt. Alles andere verlängert
nur den Lernprozess.