Innere
Bilder im Horoskop
Erinnern
Sie sich – schon vor ein paar Wochen stand an dieser Stelle
ein Artikel, in
dem es um das Gesicht und seine Verbindung zum Aszendenten im
Horoskop ging.
Wieder ist es Rilke, der mich inspirierte, und wieder spricht
er von Gesicht:
'Werk
des Gesichts ist getan', tue nun Herz-Werk an den Bildern in dir'
Was
meint Rilke mit diesen 'Bildern in dir'?
In der Psychologie spricht man häufig von Projektionen. Das
sind Anteile von uns, die wir auf eine Person oder ein Ereignis
im Außen übertragen. Wir suchen die inspirierende Freundin
oder den Freund, den Menschen, der uns innere Geborgenheit geben
kann, denjenigen, mit dem wir Abenteuer erleben können usw.
Oft meinen wir, über diese Fähigkeiten nicht zu verfügen
und suchen sie deshalb in unserer Umgebung. Oder wir lehnen bestimmte
Eigenschaften bei anderen vehement ab, bewerten, verurteilen sie.
So machen wir uns ein Bild von dem oder der anderen mit all den
wunderbaren oder schrecklichen Eigenschaften, die wir ihm oder
ihr, einem bestimmten Volk, einer Religion oder politischen Gruppe
zuschreiben. Finden wir hier den Nährboden für Krieg?
Wollen oder können wir nicht auf uns selbst schauen?
Ist
es da einfacher, z.B. auf der persönlichen Ebene zu sagen:
du hast mich getäuscht, weil wir uns nicht eingestehen wollen:
nein, wir haben uns getäuscht. Das Bild, das wir uns gemacht
haben, hatte mehr mit uns selbst, als mit dem anderen zu tun.
Aber
kennen wir dieses innere Bild?
Das
Horoskop kann uns helfen, die eigenen inneren Bilder aufzuspüren.
Der
Mond, zum Beispiel zeigt uns, wie die Mutter, die wir uns wünschen,
sein, wie sie mit uns umgehen sollte und welche Schwierigkeiten
mit ihr auftauchen können.
Das
Zeichen, in dem der Mond steht, seine Häuserstellung und
seine Aspekte entwerfen ein inneres Bild der Mutter, das mit unserer
realen Mutter oft gar nichts zu tun hat. Oft wissen wir aber nicht
um dieses innere Bild und verstehen einfach nicht, warum es zu
Schwierigkeiten mit der eigenen Mutter oder bei Männern auch
zu Schwierigkeiten mit Frauen kommt. (Bei Männern steht der
Mond auch für einen Teil seinen Frauenbildes, seiner Anima,
wie C.G:Jung sagte). Oder wir verstehen nicht, warum wir es so
schwer haben, so zu leben, dass wir uns sicher und geborgen fühlen.
Manchmal
lebt in uns zum Beispiel eine feurige Prinzessin ( Mond im Löwen),
die um ihren Wert weiß und auch so behandelt werden möchte.
Durch irgendwelche Lebensumstände geht dieses Gefühl
für diese Königstochter aber verloren, genauso wie das
manchmal im Märchen passiert. Da muss die Königstochter
erst ihre ganze königliche Pracht ablegen, Jahre im Wald
bei einer alten Hexe( dunklen Mutter) verbringen, bevor sie ihren
Platz wieder einnehmen kann und sich dann dessen auch bewusst
ist.
Oder
nehmen wir die Venus, die ebenfalls einen Teil dieses inneren
Frauenbildes anzeigt, bei Frauen wie bei Männern. Wer lebt
da in dir?
Ist
es eine naturverbundene, zuverlässige Frau, eine unabhängige,
kämpferische Amazone, ein eher mediales, nicht greifbares
Wesen, das dich Dinge eher ahnen als wissen lässt.
Solange
wir diese Wesen in uns nicht kennen, werden wir nicht verstehen.
Und doch hat das Anschauen eine Grenze, wie Rilke sagt.
Nein,
wir sollen 'Herzwerk' an diesen Bildern tun, die Wesen, die da
in uns leben, lieben lernen.
Siehe,
innerer Mann, dein inneres Mädchen,
dieses errungene aus
tausend Naturen, dieses
erst nur errungene, nie
noch geliebte Geschöpf.
Vielleicht
fragen Sie sich jetzt: Ja, und wer lebt in mir?
Wenn Sie Lust haben, nehmen Sie Kontakt
zu mir auf, und wir versuchen gemeinsam, Licht auf Ihre innere
Welt zu werfen.
Wenn
Sie das Thema 'Projektionen’ interessiert’, lesen
Sie hier
Gedanken von Max Frisch und Hannelore Traugott.
Das
ganze Gedicht von Rilke finden Sie hier.