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Die Gedanken sind frei

     so heißt es in einem alten Volkslied, aber sind sie es wirklich?

Wer kennt das nicht: bestimmte Gedanken schwirren einem ständig im Kopf herum, man bekommt sie einfach nicht los. Außerdem kennen wir alle Sätze wie:

      Das Leben ist schwer
      Im Leben wird einem nichts geschenkt
      Erst die Arbeit dann das Vergnügen
      Vertrauen kann ich nur mir selber.

Diese Sätze haben wir frühkindlich vorgelebt bekommen und sie sind vielleicht sogar Teil unseres kollektiven Erbes, das wir mitgebracht haben. Diese Sätze werden im Laufe des Lebens und unserer Erfahrungen immer 'objektiver’ und wir sind immer weniger bereit sie loszulassen. (Im Horoskop lässt sich übrigens ablesen, zu welchen Glaubenssätzen ein Mensch besonders neigt.)

Interessanterweise haben diese Glaubenssätze die Eigenschaft, im Leben, im Miteinander mit anderen Wahrheit zu werden. Das Leben führt uns dann immer wieder in Situationen, in denen diese Sätze bestätigt werden. Denke ich: das Leben ist schwer - dann erfahre ich im Außen, dass es schwer ist. An den Ereignissen im Außen können wir also ablesen, welche Glaubenssätze ein Mensch tief im Innern über sich und die Welt hat.

Häufig verursachen diese festgelegten Denkmuster Leiden, denn sie haben nichts mit unseren Herzenswünschen zu tun. Im Gegenteil, unser Herz sehnt sich nach Leichtigkeit, doch wir, wir haben im Laufe des Lebens immer mehr von diesen sich schwer anfühlenden Grundsätzen in unser Leben hinein genommen.

Schauen Sie sich Ihre Liste an Glaubenssätzen einmal an. Nehmen Sie ein Blatt Papier und notieren Sie alles, was Sie über das Leben, über sich und über das Verhalten anderer denken.
Schauen Sie sich dann Ihre Sätze an und fühlen Sie hinein, wie sich diese Sätze anfühlen.
Sehr schnell werden Sie merken, dass vieler dieser Sätze, besonders die mit 'ich sollte..., er sollte...., ich sollte nicht.... usw. Stress in Ihnen hervorrufen, ungute Gefühle.

Erkenntnisse der Quantenphysik und Zellbiologie zeigen nun, dass Gedanken und Gefühle Produkte von neuronalen Verschaltungen im Gehirn sind.Wird ein bestimmter Gedanke oder ein Gefühl wiederholt gedacht, werden bestimmte Peptidverbindungen im Gehirn aktiviert und es entsteht eine Art von Sucht, immer und immer wieder diese Verschaltungen zu wiederholen.

Die Amerikanerin Byron Katie knüpft mit ihrer Methode 'The Work’genauso wie PSYCH-K™ an diese Erkenntnis der neuronalen Verschaltungen an. Beide Methoden gehen davon aus, dass wir die Freiheit haben, bestimmte Glaubenssätze ( die neuronalen Verschaltungen) täglich aufs neue zu 'deaktivieren'.

Der Amerikaner Albert Ellis hat in den fünfziger Jahren eine therapeutische Methode entwickelt, die auf einigen ganz einfachen Prinzipien beruhte: man stellte dem Klienten Fragen über seine problematischen Glaubenssätze und Aussagen und half ihm dabei, beim “Disputieren” derselben zu entdecken, dass es sich meist um “irrationale Überzeugungen” handelte. Sodann entwickelte man neue, bessere Denkmuster, die dem Klienten halfen, seine Probleme zu bewältigen.

Byron Katie übernahm (bewusst oder unbewusst) in den Achtziger Jahren einige Fragen aus dieser Methode, fügte die sog. Umkehrung (Spiegelung, eine uralte spirituelle Praxis) hinzu und entwickelte daraus ein einfaches System, mit dem man nicht nur sich selbst, sondern auch Anderen helfen kann. Letzlich ist 'The Work' auch eine meditative Erfahrung. Man spürt, wie man sein Leben auf einem Gedankengerüst aufgebaut hat, das bei näherem Hinsehen sehr fraglich ist. Und unweigerlich drängt sich die Frage auf: Wer bist du ohne deine Geschichte?

Nehmen wir ein Beispiel wie 'The Work’ funktioniert.

Eine Frau sagt: Mein Mann sollte sich mehr um mich kümmern.
Die erste Frage wäre: Ist das wirklich wahr?

Hier horcht die Frau zunächst nach Innen

Die zweite Frage: Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist?
Wie sieht die Realität aus? Kümmert er sich um mich? Ist es wirklich das Beste für ihn/für mich, wenn er sich um mich kümmert?

Die dritte Frage: Wie geht es mir, wenn ich an der Überzeugung: mein Mann sollte sich mehr um mich kümmern, festhalte?

Hier wird oft klar, welchen Preis wir für unsere Überzeugungen zahlen müssen. An erster Stelle steht häufig, dass die Überzeugung emotionalen Stress hervorruft.

Vierte Frage: Wie ginge es mir ohne diese Überzeugung, wenn ich diesen Gedanken gar nicht denken könnte?

Bei dieser Vorstellung könnte sich eine große Erleichterung, die Ahnung einer inneren Freiheit einstellen

Zum Schluss sucht man nach einer Umkehrung zu dem Satz: Mein Mann sollte sich mehr um mich kümmern. Diese könnte z.B. lauten:
Ich sollte mich mehr um mich kümmern.

Nun prüft man: Ist dieser Gedanke genauso wahr oder wahrer als der ursprüngliche Gedanke?

Die Arbeit mit 'The Work’ ist ein Prozess des sich immer wieder Bewusstmachens, was es automatisch in mir denkt und wie sehr ich mich in den Angelegenheiten anderer bewege.

Und am Ende sind meine Gedanken vielleicht wirklich frei, weil ich mir diese Freiheit errungen habe.


Literatur

Byron Katie: Lieben was ist ( zu bestellen bei Amazon hier)
Moritz Boerner: Byron Katies 'The Work' ( zu bestellen bei Amazon hier)
Robert Betz: Vortrag: Warum hast du es nicht leicht ( zu bestellen hier)